Trading Journal richtig führen: Mein System nach 4,5 Jahren Nasdaq-Future

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Du führst dein Trading Journal. Du trägst brav jeden Trade ein. Und trotzdem wird dein Trading nicht besser.

Das liegt nicht daran, dass ein Trading Journal nicht funktioniert. Das liegt daran wie du es führst – und was du danach damit machst. Ich zeige dir in diesem Artikel mein komplettes System, das ich nach über 4,5 Jahren Futures Trading entwickelt habe. Inklusive der konkreten Fehler die ich gemacht hab, bevor es funktioniert hat.

Inhaltsverzeichnis

Was die meisten Trader im Trading Journal falsch machen

Entry. Exit. Gewinn oder Verlust. Vielleicht noch ein Screenshot vom Chart. Das wars.

Und dann wundern sie sich, warum sich nach Monaten nichts verändert hat. Das ist ungefähr so, als würdest du täglich auf die Waage steigen, die Zahl notieren — und danach eine Tiefkühlpizza essen. Die Daten sind notiert, dein Verhalten ändert sich trotzdem nicht.

Ein Trading Journal das nur Zahlen sammelt ist wie ein Arzt der nur deinen Blutdruck misst, aber nie fragt wie du schläfst oder was du isst. Die Zahl alleine erklärt nichts.

Der eigentliche Fehler: die meisten Trader dokumentieren das Ergebnis — aber nicht das Verhalten das dazu geführt hat.

Was gehört in ein Trading Journal — wirklich

Das ist die meistgesuchte Frage zum Thema und sie wird meistens falsch beantwortet. Die Pflichtfelder kennt jeder. Aber genau dort hören die meisten auf, wo es erst interessant wird.

Die Pflichtfelder — das Minimum

Entry-Preis, Exit-Preis, Positionsgröße, Setup-Typ, Ergebnis in R (Also CRV) und in Dollar. Wer das nicht hat, kann gar nichts auswerten.

Was den Unterschied macht

Erstens: dein emotionaler Zustand vor dem Trade. Warst du ruhig? Unter Druck? Hast du den Trade aktiv gesucht oder hat er dich gefunden? Klingt jetzt blöd — ist aber der wichtigste Datenpunkt den du überhaupt eintragen kannst. Wirklich gute Setups springen dir ins Gesicht und finden dich, du musst also nicht angestrengt suchen und irgendeinen Quatsch reininterpretieren, um endlich Buy oder Sell drücken zu können.

Zweitens: die Setup-Qualität auf einer Skala von 1 bis 5. War das dein A-Setup oder hast du etwas erzwungen weil der Markt gerade „interessant aussah“? 

Drittens: eine kurze Notiz direkt nach dem Schließen des Trades. Nicht was der Markt gemacht hat — sondern was du gedacht hast während du drin warst. „Hab gezittert ab +60 Ticks und mein Herz hat geklopft.“ „Wollte früher raus aber hab trotzdem gehalten.“ Diese Notizen bringen dich weiter als jede Strategie.

Ich beantworte nach jedem Trading-Tag außerdem diese fünf Fragen:

  1. Wie ist mein Tag verlaufen?
  2. Welche Fehler habe ich gemacht?
  3. Was habe ich gut gemacht?
  4. Was kann ich besser machen?
  5. Overall Recap des Tages — besondere News, Marktbedingungen, Randbedingungen die ich künftig beachten muss?

Das dauert keine zehn Minuten. Aber nach drei Jahren hast du einen Film von dir als Trader — und nicht nur eine Tabelle mit Zahlen.

Wie sieht ein Trading Journal aus — welches Format passt zu dir

Papier, Excel oder spezialisierte Software. Alle drei funktionieren. Die Frage ist welche du wirklich durchziehst und nicht welche du am schnellsten ausfüllen kannst.

Papier: Du bist langsamer. Du denkst nach. Du kannst nichts copy-pasten. Dafür ist die Auswertung mühsam und Muster siehst du erst wenn du extrem diszipliniert bist und die ganze Zettelwirtschaft wieder rauskramst. Für die meisten Trader kein dauerhaftes System.

Excel oder Google Sheets: Der solide kostenlose Mittelweg. Du kannst filtern, sortieren, Gewinn-Verlust nach Wochentag auswerten, nach Session, nach Setup-Typ. Einmal aufgebaut — wächst es danach von selbst.

Spezialisierte Software: Tools wie TradeZella, Tradetracer oder Tradersync importieren direkt aus dem Broker, berechnen Kennzahlen automatisch und zeigen dir visuell wo du Geld liegen lässt. Ich selbst nutze TradeZella als mein Hauptjournal und bin sehr zufrieden. Ich hab mir dort zwei Setups angelegt — mein Inversed Fair Value Gap Reversals Setup und mein Inversed Fair Value Gap Trendfortsetzungs-Setup. Für jedes Setup gibt es eine Checkliste die ich nach jedem Trade abhaken kann. Das ist der Unterschied zwischen „ich glaube mein Setup war valide“ und „mein Setup war valide“.

Ein Journal das du nie auswertest ist einfach nur wertlose Dokumentation und kein Werkzeug. Kurz gesagt, genauso sinnlos wie ein Berichtsheft in der Ausbildung. Das Ding taugt nach 3 Jahren höchstens noch zum Arsch abwischen.

PS:
Was du ganz oben im Titelbild siehst ist mein echtes TradeZella-Konto aus 2024. Vier Wochen lang ist dieses Funded-Konto konstant auf 5.500$ gewachsen  — und dann hat ein einziger Tag gereicht um das komplette Konto zu zerstören. Genau dieser Tag steht in meinem Journal und leider ist mir das damals mehr als nur einmal passiert. Ich weiß heute noch warum es passiert ist. Das ist der Unterschied zwischen einem Trader der Fehler wiederholt und einem der sie versteht.

Trading Journal Excel und Software: Warum ich beides parallel führe

Das ist der Teil den die meisten Trader-Journal-Artikel nicht kennen.

Ich führe neben TradeZella eine separate Excel-Datei. Nicht für die tägliche Dokumentation — die läuft komplett in TradeZella. Die Excel hat einen anderen Zweck: ich teste damit verschiedene Trade-Management-Methoden gegeneinander.

Konkret berechne ich für jeden Trade parallel durch, wie er mit unterschiedlichen Ansätzen gelaufen wäre:

  • Wie wäre er verlaufen mit einem Fill or Kill Management und einem fixen CRV von 1:1 oder 2:1 — also kein aktives Managen, einfach Stop und TP setzen und warten?
  • Wie wäre er verlaufen mit einem aktiven Management, bei dem ich an der nächstliegenden Liquidität 50% meiner Position ausskaliere?
  • Wie wäre er verlaufen wenn ich bei einem CRV von 1:1 bereits 80% meiner Position geschlossen hätte?

Das ist kein akademisches Spielchen. Das ist echtes Backtesting — passiv, parallel zu meinem Trading, ohne extra viel Zeitaufwand.

Für mich hat diese Auswertung nach Jahren etwas Konkretes ergeben: Break-Even Management ist für mein Setup die lukrativste Managementmethode. Das hab ich nicht geraten. Das hab ich aus den Daten gelesen.

Und das Interessante dabei: manche Managementarten funktionieren in bestimmten Marktphasen besser als in anderen. Zur Jahresendrallye merke ich in meinen Daten, dass ich mit kleineren Erwartungshaltungen besser fahre, ebenso in sehr schwierigen „Choppy“ Marktphasen ohne klare Richtung — früher Teilpositionen nehmen, schon bei 1:1 anfangen auszuskalieren. Das ist keine Bauchentscheidung mehr, sondern das ist datenbasiertes Trading.

Diese Excel-Datei ist eine lebendige Datei. Wenn ich ein Setup seit drei Jahren trade, habe ich eine Datei mit drei Jahren passivem Backtesting. Ich muss nicht zurückgehen und die Vergangenheit rekonstruieren — ich habe sie schon.

Und der Zeitaufwand? In Summe 10 bis 15 Minuten pro Tag. Nicht mehr.

Trading Journal auswerten: Meine Routine die 10 Minuten täglich kostet

Hier ist meine konkrete Routine — weil abstrakte Ratschläge über Journals mir selbst nie geholfen haben.

Nach jeder Trading-Session (am nächsten Tag, 10–15 Minuten)

Ich fülle die Daten bewusst erst am nächsten Morgen aus. Direkt nach dem Trading stehe ich manchmal noch unter Adrenalin oder bin genervt über einen Fehler. Am nächsten Tag bin ich neutraler — ich kann die Trades nochmal in Ruhe Revue passieren lassen und die Dinge so aufschreiben wie sie wirklich waren. Nicht wie ich sie gerade fühle oder gerne gehabt hätte.

Ablauf: Trades in TradeZella eintragen, Setup-Checkliste abhaken, die fünf Tagesfragen beantworten, Screenshots hochladen (Big Picture und Entry Timeframe), Excel mit den Management-Szenarien befüllen.

Am Wochenende (ca. 1 Stunde)

Komplette Woche durchgehen. Was war gut? Was war schlecht? Haben sich Muster wiederholt? War ich diszipliniert? Welches Management hat diese Woche am besten funktioniert?

Mehr ist es nicht. Keine vier Stunden Analyse am Sonntag — eine ruhige Stunde in der du alles zusammenführst.

Einmal im Monat — tiefe Analyse

  • Welches Verhalten hat mich diesen Monat am meisten Geld gekostet?
  • Wann trade ich am schlechtesten? Montags, an 3-Sterne News Tagen, nach einem Verlust?
  • Wie ist mein tatsächliches Risk-Reward verglichen mit dem geplanten? Wer ein CRV von 2:1 plant und im Schnitt 0,8:1 rausholt, sollte prüfen, ob es an den Emotionen liegt und deshalb die Trades zu früh geschlossen werden, oder das Setup erst gar nicht die Strecke hergibt um ein CRV von 2:1 überhaupt zu erreichen.
  • Wie oft habe ich mein Regelwerk gebrochen? Die einzige Frage die am Ende wirklich zählt.

Die häufigsten Fehler beim Trading Journal führen

Fehler 1: Zu spät eintragen

Das Gehirn lügt dich oft an. Zwischen Trade-Exit und Abend liegt Rationalisierung. „Das Setup war valide, der Markt hat einfach nicht mitgespielt.“ Am nächsten Morgen mit neutralem Blick sehe ich oft: nein, ich hab es erzwungen. Am besten am nächsten Morgen eintragen und nicht erst drei Tage später oder 5 Minuten nachdem du den SL kassiert hast. 

Fehler 2: Nur Zahlen, kein Verhalten

Wenn du weißt dass du am Montag schlechter tradest als von Dienstag bis Freitag — machst du am Montag trotzdem wie gewohnt weiter?
Das Journal sagt dir was schief läuft, aber du musst dann auch handeln.

Fehler 3: Nur bei guten Phasen führen

Das ist so nützlich wie nur dann zum Arzt zu gehen, wenn du kerngesund bist. Gerade die schlechten Tage und Wochen gehören vollständig dokumentiert. Die sind unbequem zu lesen — und genau deshalb so wertvoll. Nur aus Fehlern kannst du lernen. 

Zitat von Albert Einstein:
„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

Fehler 4: Zu viele Spalten, zu schnell aufgehört

Ich hab mal ein Excel-Monster mit 60 Spalten gebaut. Wenn der Eintrag von einem Trade 20 Minuten braucht, hörst du nach zwei Wochen auf und hast die Schnauze voll. Jetzt sind es 20 Spalten in der Excel und TradeZella macht den Rest — in 10 bis 15 Minuten pro Tag.

Trading Journal Vorlage: So fängst du heute an

Wenn du noch kein Journal hast, brauchst du kein perfektes System. Du brauchst ein Dokument mit diesen Spalten:

Datum | Markt | Session | Setup | Positionsgröße | Stop (in Ticks) | geplanter TP (in Ticks) | realisierter TP (in Ticks) | PNL $ | Emotionen (1–5 und was du gefühlt hast) | Setup-Qualität (1–5) | Notiz | Optional aber sehr hilfreich – Spalten in denen du verschiedene Management Arten vergleichst

Das reicht – Keep it Simple. Fang damit an. Sobald du merkst dass du mehr brauchst, erweiterst du.

Wenn du direkt mit professioneller Software starten willst: TradeZella ist das was ich selbst nutze. Die Einrichtung dauert eine Stunde — danach läuft es. Du findest jede Menge hilfreiche Videos auf der Plattform selbst. Wie du alles einrichtest, wie du mit TradeZella Backtestest und vieles mehr. Außerdem ist der Kerl der es entwickelt hat „Umar Ashraf“ selber professioneller Trader und hat mehr drauf als nur Zahnbelag. 

Das Excel-System für die Management-Methoden bau dir parallel auf sobald du dein Setup wirklich kennst. Es zahlt sich erst über Zeit aus. Wie ein Zinseszins-Konto das du einfach laufen lässt — nur dass der Zins hier Erkenntnis heißt statt Prozent.

Falls du noch Probleme hast dein Management richtig zu definieren, schau gerne meinen Artikel dazu an. Trading Risikomanagement: Wie du dein Konto schützt, wenn dein Kopf komplett durchdreht

Häufige Fragen zum Trading Journal

Was ist ein Trading Journal?

Ein Trading Journal ist ein strukturiertes Protokoll das du nach jedem Trade ausfüllst — mit Entry, Exit, Setup, Positionsgröße, Ergebnis und vor allem deinem emotionalen Zustand. Es ist das wichtigste Analyse-Werkzeug im Trading, weil es Muster sichtbar macht die du sonst nicht siehst.

Was gehört in ein Trading Journal?

Pflichtfelder: Datum | Markt | Session | Setup | Positionsgröße | Stop (in Ticks) | geplanter TP (in Ticks) | realisierter TP (in Ticks) | PNL $.
Dazu kommen Emotionen vor und während dem Trade (Skala 1–5 und was du gefühlt hast), Setup-Qualität (1–5) und eine kurze Notiz nach dem Close. Wer nur die Zahlen einträgt ohne den emotionalen Teil, hat eine Tabelle — kein Werkzeug.

Wie sieht ein Trading Journal aus?

Das Format ist egal — Excel, Google Sheets oder spezialisierte Software wie TradeZella. Was zählt ist Konsequenz. Für Einsteiger reicht eine Excel-Vorlage mit 10–15 Spalten. Software lohnt sich erst, wenn du klare Regeln definiert hast und deine Charts nach der Session nicht mehr aussehen wie Tannenbäume zu Weihnachten und alles voll ist mit Long/ Short Pfeilen oder Dreiecken von Entrys. 

Trading Journal Excel oder Software — was ist besser?

Beides parallel — für unterschiedliche Zwecke. Software für die tägliche Dokumentation und Auswertung. Excel für das Testen verschiedener Management-Methoden gegeneinander. Das ist der Ansatz den ich selbst nutze und der mir die meisten konkreten Erkenntnisse gebracht hat.

Wie oft sollte ich mein Trading Journal auswerten?

Täglich 10–15 Minuten für die Dateneingabe. Am Wochenende etwa eine Stunde für den Wochenrückblick. Einmal im Monat eine tiefe Analyse für Muster, Management-Effizienz und Regelwerk-Einhaltung.

Wie finde ich heraus welches Trade-Management am besten funktioniert?

Indem du verschiedene Szenarien parallel durchrechnest bzw. dokumentierst — für jeden Trade dokumentierst du rückwirkend wie er mit 1:1, 2:1, Teilausstieg oder Break-Even Management gelaufen wäre. Das kostet einmalig Aufwand für den Aufbau. Danach wächst die Datei automatisch mit jedem Trade den du machst.

Jetzt weißt du wie ein Trading Journal richtig geführt wird.

Aber hier kommt die ehrliche Folgefrage: Was nützt das beste Journal, wenn du noch gar nicht weißt welches Setup du eigentlich tracken willst?

Viele Trader die anfangen ein Journal zu führen merken genau das. Sie dokumentieren Trades — aber ohne klares System dahinter. Du siehst die Zahlen. Du weißt nur nicht was du damit anfangen sollst.

Irgendwann kommt dann der Gedanke: ich kaufe mir eine Trading Ausbildung. Ich brauche einen erfahrenen Trading-Coach der mir zeigt was ich traden soll. Und genau da wird es teuer — nicht weil Trading Ausbildungen grundsätzlich schlecht sind, sondern weil die meisten Trader dabei an die Falschen geraten und jede Menge Geld verlieren. Bevor du das tust, stell diesem Trading-Coach zehn Fragen. Die Antworten sagen dir in 10 Minuten ob er sein Geld wert ist. Mach den Fake Trading-Coach-Test mit ihm.